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Fünf-Karten-Kreuz: Wie lässt es sich deuten?

Das Fünf-Karten-Kreuz deutet den vorübergehenden Einzug bei den Eltern: vorhandene Selbstständigkeit, vertraute Fürsorge und alte Familiengewohnheiten.

Veroeffentlicht 30. Sept. 20265 Min. Lesezeit

Das Fünf-Karten-Kreuz eignet sich für eine konkrete Situation, die bereits besteht, sich aber noch schwer verstehen lässt. Es unterscheidet die gegenwärtige Lage, die unmittelbare Schwierigkeit, ältere Gewohnheiten und einen bewussten Wunsch. Die fünfte Position betrachtet eine mögliche Entwicklung in der nächsten Zeit.

Im Beispiel wohnt ein erwachsener Mensch vorübergehend wieder bei seinen Eltern. Er arbeitet und kann seinen Alltag selbst organisieren. Trotzdem fühlt er sich wieder wie ein Kind, sobald er erklärt, wann er nach Hause kommt.

Wofür die fünf Positionen stehen

Feste PositionAllgemeine Bedeutung
KernWorum es in der aktuellen Situation hauptsächlich geht
HerausforderungDas unmittelbare Hindernis oder die aktuelle Spannung
FundamentFrühere Erfahrungen, Gewohnheiten oder wenig bewusste Gefühle, die noch mitwirken
KroneEin bewusstes Ziel oder die bestmögliche Entwicklung der Situation
Kurzfristiges ErgebnisEine mögliche Entwicklung in der nächsten Zeit, wenn die jetzigen Bedingungen bestehen bleiben

Das Fundament kann an eine bekannte Erinnerung anknüpfen. Es deckt keine unbekannten Kindheitserlebnisse auf. Die Krone beschreibt einen Wunsch, während das Ergebnis von der aktuellen Situation ausgeht. Beides muss nicht übereinstimmen.

Zurück im Elternhaus, zurück in vertrauten Abläufen

Eine berufstätige Person hat mehrere Jahre allein gewohnt. Weil ihre neue Wohnung noch nicht bezugsfertig ist, zieht sie vorübergehend zu ihren Eltern. Arbeit und Einkommen bleiben unverändert. Die Eltern nehmen sie gern auf.

Sie bereiten das Abendessen vor und fragen nach der Rückkehrzeit, wie früher während der Schulzeit. Diese Fürsorge fühlt sich angenehm an. Manchmal verzichtet die Person jedoch darauf, auswärts zu essen, weil zu Hause bereits ein Essen wartet. Vor dem Ausgehen erklärt sie wieder, wohin sie geht und was sie dort vorhat.

Warum fühle ich mich wieder wie ein Kind, seit ich bei meinen Eltern wohne?

Das Beispiel verwendet die Bildsprache des Rider–Waite–Smith-Tarots. Alle fünf Karten liegen aufrecht, also nicht auf dem Kopf. Die Aufgaben der Positionen stehen vor dem Ziehen fest.

PositionBedeutung im BeispielKarte
KernDie Gestaltung des Alltags während des AufenthaltsNeun der Münzen, aufrecht
HerausforderungAlte Familiengewohnheiten im Verhältnis zur SelbstständigkeitDer Hierophant, aufrecht
FundamentVertraute Fürsorge aus der SchulzeitSechs der Kelche, aufrecht
KroneDie gewünschte Nähe bei erhaltener SelbstständigkeitDie Mäßigkeit, aufrecht
Kurzfristiges ErgebnisDas mögliche Gefühl bei fortgesetztem Erklären und NachgebenAcht der Schwerter, aufrecht

Die Selbstständigkeit ist da, die frühere Rolle auch

Die Neun der Münzen zeigt eine Person in einem ertragreichen Garten. In der Position „Kern“ passen Selbstständigkeit und Freude am eigenen Leben zu der bereits vorhandenen Erfahrung: Die Person hat jahrelang allein gelebt und gearbeitet. Eine vorübergehende Unterkunft bei den Eltern nimmt ihr diese Fähigkeiten nicht.

Der Hierophant steht bei der „Herausforderung“ für vertraute Regeln und wiederholte Abläufe. Die Eltern kochen und fragen nach Plänen; ihr erwachsenes Kind erklärt sich und passt sich an. Die Karte macht verständlich, wie leicht ein früheres Miteinander zurückkehren kann. Sie belegt keine Kontrollabsicht der Eltern.

Die beiden Karten zeigen einen Unterschied zwischen Fähigkeit und Alltagserleben. Das eigene Leben führen zu können bedeutet hier noch nicht, sich beim Abendessen oder Ausgehen genauso frei zu fühlen.

Die Sechs der Kelche am „Fundament“ ergänzt die Zuneigung innerhalb dieser Gewohnheiten. Das vorbereitete Essen und die Fragen nach der Rückkehr erinnern an vertraute Fürsorge. Der Verzicht darauf, auswärts zu essen, kann auch mit dem Wunsch verbunden sein, die Eltern nicht zu enttäuschen. Wärme und Unbehagen schließen sich nicht aus.

Die Mäßigkeit an der „Krone“ zeigt Wasser, das zwischen zwei Kelchen fließt. Im Beispiel kann sie den Wunsch ausdrücken, die familiäre Nähe zu genießen und zugleich den eigenen Rhythmus zu behalten. Das ist eine Vorstellung davon, wie es sein könnte. Es bedeutet nicht, dass bereits alle einen angenehmen Umgang gefunden haben.

Warum Wunsch und Ergebnis auseinanderliegen können

Die Acht der Schwerter zeigt eine gefesselte Gestalt mit verbundenen Augen. Wenn Erklärungen und Anpassungen unverändert weitergehen, könnte sich die Person bei gewöhnlichen Entscheidungen zunehmend eingeschränkt fühlen. Diese mögliche Entwicklung bezieht sich auf die genannten Bedingungen. Sie behauptet weder eine tatsächliche Gefangenschaft noch sagt sie einen Umzugstermin voraus.

Wie viel die Eltern ausdrücklich verlangen und wie viel die Person von sich aus übernimmt, lässt sich aus den Karten ebenfalls nicht bestimmen.

Die Neun der Münzen erinnert an die vorhandene Selbstständigkeit. Der Hierophant und die Sechs der Kelche verbinden alte Abläufe mit der darin enthaltenen Zuneigung. Die Mäßigkeit beschreibt den Wunsch nach Nähe und Freiheit; die Acht der Schwerter zeigt das mögliche Unbehagen, falls die bisherigen Abläufe bleiben. Das Gefühl, wieder ein Kind zu sein, wird so als Rückkehr in eine vertraute Rolle verständlich, ohne der Person ihre erwachsenen Fähigkeiten abzusprechen.

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