Der Beziehungsspiegel eignet sich für Beziehungen, in denen zwei Menschen dieselbe Erfahrung unterschiedlich verstehen. Kollegen können einander geholfen haben und trotzdem Verschiedenes von der nächsten Bitte erwarten. Sieben Positionen unterscheiden die eigene Haltung, die des Gegenübers, das tatsächlich Gemeinsame und das Gewicht eines Missverständnisses.
„Gemeinsame Energie“ meint hier gemeinsame Erfahrungen und Zusammenarbeit. Die Position „Gegenüber“ wird anhand bekannter Aussagen und Handlungen gedeutet. Sie erlaubt keinen Einblick in geheime Gedanken.
Die sieben festen Positionen
| Position | Allgemeine Bedeutung |
|---|---|
| Ich | Meine Haltung und meine Bedürfnisse |
| Gegenüber | Die Beweggründe und Erwartungen der anderen Person, soweit bekannte Aussagen und Handlungen sie erkennen lassen |
| Gemeinsame Energie | Tatsächlich gemeinsame Erfahrungen, Tätigkeiten oder Vereinbarungen |
| Spannung | Die Quelle eines Konflikts oder Missverständnisses |
| Verborgene Gefühle | Noch nicht ausgesprochene Gefühle, ohne anderen Gefühle zuzuschreiben |
| Künftiges Miteinander | Eine mögliche nahe Entwicklung, wenn die aktuellen Bedingungen bestehen bleiben |
| Rat | Der Schwerpunkt für Kommunikation und Grenzen, den die Karte anspricht |
Im Beispiel betrifft der Rat den Unterschied zwischen einer persönlichen Erwartung und einer beiderseitigen Vereinbarung.
Gegenseitige Hilfe mit unterschiedlichen Erwartungen
Zwei Kollegen verstehen sich gut und haben bereits füreinander Schichten getauscht. Die fragende Person hat zweimal ihre freien Tage umgeplant, damit die persönlichen Pläne des Kollegen möglich waren. Sie erwartete, dass er sich bei ihrem nächsten Anliegen ähnlich bemühen würde.
Diesmal hat der Kollege bereits etwas vor und lehnt einen Tausch ab. Er erklärt, dass er die gegenseitige Hilfe immer als Unterstützung bei passender Gelegenheit verstanden habe. Er zähle die Gefälligkeiten nicht als etwas, das zurückgegeben werden müsse. Die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag funktioniert weiterhin. Die fragende Person denkt trotzdem häufiger an ihre früheren Zugeständnisse und fühlt sich bei einer neuen Bitte weniger wohl. Ihre Enttäuschung hat sie dem Kollegen noch nicht mitgeteilt.
Mein Kollege und ich helfen uns gegenseitig. Warum fühlt sich das zunehmend unangenehm an?
Das Beispiel nutzt die Bilder des Rider–Waite–Smith-Tarots. Aufrecht bezeichnet die normale Bildausrichtung; umgekehrt bedeutet, dass die Karte auf dem Kopf liegt.
| Position | Bezug zum Beispiel | Karte |
|---|---|---|
| Ich | Die erwartete gegenseitige Rücksicht | Sechs der Münzen, aufrecht |
| Gegenüber | Seine erklärte Sicht auf Hilfe und seine vorhandenen Pläne | Zwei der Münzen, aufrecht |
| Gemeinsame Energie | Die tatsächlichen Gefälligkeiten und die fortgesetzte Zusammenarbeit | Drei der Münzen, aufrecht |
| Spannung | Die verschiedenen Erwartungen an eine Gegenleistung | Die Gerechtigkeit, umgekehrt |
| Verborgene Gefühle | Die unausgesprochene Enttäuschung der fragenden Person | Fünf der Kelche, aufrecht |
| Künftiges Miteinander | Der mögliche Umgang mit weiteren Bitten | Vier der Münzen, aufrecht |
| Rat | Die Grenzen zwischen gegenseitiger Hilfe und den eigenen Plänen | Königin der Schwerter, aufrecht |
Was beide unter Hilfe verstehen
Die Sechs der Münzen verbindet Geben, Empfangen und Abwägen. In der Position „Ich“ passt sie zu der Hoffnung, nach den eigenen Umplanungen eine vergleichbare Rücksicht zu erfahren. Es geht um mehr als eine einzelne Schicht: Die Person hatte das Gefühl, auf den Kollegen zählen zu können.
Die Zwei der Münzen zeigt eine Gestalt, die zwei Münzen bewegt. In der Position „Gegenüber“ lässt sich das Bild des Ausbalancierens mit seiner Aussage verbinden: Jede Anfrage hängt davon ab, ob er gerade Zeit hat. Die frühere Hilfe hat er nicht als Zusage für eine spätere Gegenleistung verstanden. Die Karte beweist weder, wie wichtig seine Pläne sind, noch dass er jede Möglichkeit ausgeschöpft hat.
Die Drei der Münzen zeigt Menschen bei einer gemeinsamen Arbeit. In der „Gemeinsamen Energie“ erinnert sie daran, dass beide geholfen haben und weiterhin zusammenarbeiten. Diese Erfahrungen sind tatsächlich gemeinsam. Daraus folgt noch keine gemeinsame Absprache über den nächsten Schichttausch.
Das Missverständnis hat eine gefühlsmäßige Seite
Die Gerechtigkeit betrifft Maßstäbe und ausgewogenes Abwägen. Umgekehrt in der Position „Spannung“ kann sie verschiedene Arten beschreiben, die Gefälligkeiten zu bewerten. Die eine Person erinnert sich an ihre verschobenen freien Tage. Der Kollege betrachtet jede neue Bitte für sich. Die Karte erklärt ihn nicht für ungerecht. Hätten beide eine Gegenleistung ausdrücklich vereinbart, müsste die Deutung diese Zusage berücksichtigen. Eine solche Vereinbarung gibt es im Beispiel nicht.
Die Fünf der Kelche bei den „Verborgenen Gefühlen“ bezieht sich auf die Enttäuschung der fragenden Person. Nach der Absage treten die früheren Zugeständnisse stärker hervor. Es fehlt nicht nur der mögliche Schichttausch, sondern auch eine Unterstützung, mit der sie gerechnet hatte. Dieses Gefühl ist in ihrem Erleben beschrieben. Es belegt kein verborgenes Schuldgefühl des Kollegen.
Die Vier der Münzen zeigt eine Gestalt, die ihre Münzen festhält. Beim „Künftigen Miteinander“ kann das für größere Zurückhaltung stehen, wenn die Erwartungen unterschiedlich bleiben. Die fragende Person könnte dann länger zögern, bevor sie erneut einen freien Tag umplant. Ein Zerwürfnis ist damit nicht sicher.
Die Königin der Schwerter bringt in der Position „Rat“ Klarheit und Grenzen ins Bild. Der Wunsch nach gegenseitiger Rücksicht ist ein echtes Bedürfnis. Eine Vereinbarung setzt voraus, dass beide dasselbe verstanden und angenommen haben. Die eigenen Pläne bleiben Teil der Situation; frühere Hilfe allein legt noch nicht fest, wer beim nächsten Mal was übernehmen wird.
Die Drei der Münzen hält die vorhandene Zusammenarbeit fest. Die Sechs und die Zwei der Münzen zeigen, wie unterschiedlich die Hilfe verstanden wird. Die umgekehrte Gerechtigkeit erklärt den Gegensatz, die Fünf der Kelche seine gefühlsmäßige Wirkung. Die Vier der Münzen deutet mögliche Zurückhaltung an. Mit der Königin der Schwerter wird der entscheidende Unterschied deutlich: Die gegenseitige Hilfe hat stattgefunden, doch die Erwartungen an ihre Fortsetzung sind verschieden.
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