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Entscheidungskreuzung A/B: Wie deutet man sie?

Eine Reise zum Mondneujahr, zwei Familien: Die Entscheidungskreuzung A/B beleuchtet den Wert eines seltenen Treffens, wechselnde Besuche und das, was bei jeder Wahl unerfüllt bleibt.

Veroeffentlicht 28. Sept. 20267 Min. Lesezeit

Die Entscheidungskreuzung A/B eignet sich für Fragen mit zwei konkreten Möglichkeiten, an denen einem jeweils etwas liegt. Ein Familienbesuch kann genau so eine Entscheidung sein: Man möchte die Feiertage mit den eigenen Eltern verbringen und versteht zugleich, warum der Partner seine Eltern besuchen will. Für beide Besuche reicht die gemeinsame freie Zeit jedoch nicht.

Die sechs Positionen unterscheiden, was für die beiden Möglichkeiten spricht, was jeweils verloren geht und worin der eigentliche Konflikt liegt. Ein guter Grund für den einen Besuch lässt den Wunsch nach dem anderen nicht verschwinden.

Wofür die sechs Positionen stehen

Vor dem Ziehen wird festgelegt, was A und B bedeuten. Die Möglichkeiten hängen von der Frage ab; die Aufgaben der Positionen bleiben gleich.

Feste PositionAllgemeine Bedeutung
Vorteile von AWas für A spricht und diese Möglichkeit unterstützt
Nachteile von ARisiken, Kosten oder etwas, worauf man bei A verzichten müsste
Vorteile von BWas für B spricht und diese Möglichkeit unterstützt
Nachteile von BRisiken, Kosten oder etwas, worauf man bei B verzichten müsste
KernkonfliktWas der fragenden Person die Entscheidung wirklich schwer macht
Zusammenführender RatWie Vorteile, Nachteile und der Konflikt gemeinsam zu verstehen sind

Ein Nachteil nimmt einer Möglichkeit nicht ihren Wert. Ein Vorteil beseitigt nicht ihre Kosten. Die letzten beiden Positionen verbinden die vier einzelnen Betrachtungen.

Der Besuch im letzten Jahr und ein seltenes Wiedersehen

Als Beispiel dient ein Paar, dessen Eltern in verschiedenen Städten wohnen. Beide möchten zum Mondneujahr gemeinsam verreisen. Mit den Reisezeiten und den Tagen, an denen beide frei haben, ist nur ein Familienbesuch möglich.

Die fragende Person verbrachte das Fest im letzten Jahr gemeinsam mit ihrem Partner. Sie besuchten seine Eltern. Dieses Jahr möchte sie ihre eigenen Eltern besuchen. Ihr Partner hat erklärt, dass diesmal alle seine Geschwister nach Hause kommen können. Normalerweise leben sie an verschiedenen Orten; ein gemeinsames Treffen ist selten. Das Paar hat noch nicht entschieden, wohin es fährt.

Die Frage lautet:

Fahren wir zum Mondneujahr zu meinen Eltern oder zu denen meines Partners?

A bedeutet, gemeinsam zu den Eltern der fragenden Person zu fahren; B steht für den gemeinsamen Besuch bei den Eltern ihres Partners. Das Beispiel verwendet vertraute Bilder und Bedeutungen des Rider–Waite–Smith-Tarots. Aufrecht bedeutet, dass das Kartenbild richtig herum liegt; umgekehrt steht es auf dem Kopf. Die Position und die bekannten Umstände bestimmen, worauf sich die Deutung bezieht.

Feste PositionWas sie in diesem Beispiel betrachtetGezogene Karte
Vorteile von ADen Wunsch nach gemeinsamer Zeit mit den eigenen ElternSechs der Kelche, aufrecht
Nachteile von ADas Wiedersehen, das das Paar bei A verpassen würdeFünf der Kelche, aufrecht
Vorteile von BDen Wert dieses besonderen Treffens in der Familie des PartnersVier der Stäbe, aufrecht
Nachteile von BDie Enttäuschung über zwei aufeinanderfolgende Feste bei derselben FamilieSechs der Münzen, umgekehrt
KernkonfliktWarum keiner der beiden Wünsche leicht aufzugeben istDie Liebenden, aufrecht
Zusammenführender RatWie sich der Wunsch, die Familien abwechselnd zu besuchen, und diese besondere Gelegenheit zueinander verhaltenDie Mäßigkeit, aufrecht

Am vertrauten Tisch sitzen und ein anderes Treffen verpassen

Die Karte „Sechs der Kelche“ liegt bei den Vorteilen von A. Das Bild eines überreichten Blumenkelchs wird häufig mit vertrauten Beziehungen und liebevollen Erinnerungen verbunden. Hier kann es den Wunsch ausdrücken, wieder an den Feiertagen der eigenen Familie teilzunehmen.

Dieser Wunsch hat eine konkrete Vorgeschichte: Das letzte Mondneujahr hat die Person nicht mit ihren Eltern verbracht. Wieder mit ihnen am Tisch zu sitzen, bedeutet, diese Tage miteinander zu erleben. Die Karte „Sechs der Kelche“ zeigt diese Verbundenheit, ohne daraus eine bloße Zählung der Besuche zu machen.

Bei den Nachteilen von A erscheint die Karte „Fünf der Kelche“. Die Figur schaut auf umgestürzte Kelche, während andere noch stehen. In dieser Position lässt sich das Bild mit dem verpassten Geschwistertreffen verbinden. Der Besuch bei den eigenen Eltern würde einen Wunsch erfüllen und den Verzicht auf eine andere Gelegenheit bedeuten.

Die Karte belegt weder, dass der Partner deswegen nachtragend wäre, noch, dass sich die Geschwister nie wieder treffen könnten. Bekannt ist nur diese Gelegenheit. Beide Kelchkarten lassen die Freude über den Besuch und das Bedauern über das verpasste Treffen nebeneinander bestehen.

Auch ein besonderes Fest kann einen Wunsch offenlassen

Die Karte „Vier der Stäbe“ steht bei den Vorteilen von B. Die Girlande und die versammelten Menschen erinnern an ein Fest und an eine angenehme gemeinsame Zeit.

Dass die Geschwister diesmal zusammenkommen können, ist bereits bekannt. Die Karte hebt hervor, was diesen Besuch besonders macht: Der Ort wäre derselbe wie im Vorjahr, die anwesenden Menschen könnten andere sein.

Die umgekehrte Karte „Sechs der Münzen“ liegt bei den Nachteilen von B. Geben, Empfangen und Verteilen gehören zu den üblichen Themen dieser Karte. Umgekehrt kann sie hier eine Verteilung der gemeinsamen Zeit zeigen, die nicht beiden Erwartungen entspricht.

Fährt das Paar erneut zur Familie des Partners, bleibt der Wunsch der fragenden Person nach Feiertagen mit den eigenen Eltern ein weiteres Jahr unerfüllt. Sie kann den besonderen Anlass verstehen und sich trotzdem fragen, wann ihre Familie an der Reihe ist.

Diese Deutung betrifft die mögliche Enttäuschung bei B. Wo das Paar zwei Feste verbringt, sagt nicht alles darüber aus, was beide zur Beziehung beitragen. Daraus lässt sich auch nicht ableiten, dass dem Partner die andere Familie gleichgültig wäre.

Die Karte „Vier der Stäbe“ zeigt den Reiz des Treffens. Die umgekehrte Karte „Sechs der Münzen“ zeigt, warum der Wunsch nach dem Besuch bei den eigenen Eltern daneben bestehen bleibt.

Zwei Gründe, die gleichzeitig zählen

Die Liebenden im Kernkonflikt können für Beziehungen, Werte und wichtige Entscheidungen stehen. Hier zeigen sie die beiden Anliegen, die die fragende Person bewahren möchte. Sie bewerten nicht die Qualität der Paarbeziehung.

Die Person möchte ihre Eltern sehen und versteht, warum ihrem Partner das Geschwistertreffen wichtig ist. Die Karten „Sechs der Kelche“ und „Vier der Stäbe“ erklären, was für jeden Besuch spricht. „Fünf der Kelche“ und die umgekehrte „Sechs der Münzen“ zeigen, was jeweils unerfüllt bliebe. Die Frage geht damit über einen Wettstreit um das bessere Argument hinaus.

Die Mäßigkeit liegt beim Zusammenführenden Rat. Wasser, das zwischen zwei Kelchen fließt, wird häufig mit dem Abstimmen verschiedener Bedürfnisse verbunden. In diesem Beispiel ist der vorige Besuch für die Erwartung wichtig, die Familien abwechselnd zu sehen. Wer dieses Jahr kommen kann, bestimmt dagegen den besonderen Wert der aktuellen Gelegenheit.

Nur auf das Vorjahr zu schauen, würde das Besondere dieses Treffens übersehen. Nur die seltene Gelegenheit zu berücksichtigen, würde den eigenen Wunsch nach einem Besuch bei den Eltern ausblenden. Die Mäßigkeit hält beide Gründe in der Deutung zusammen. Die freie Zeit reicht weiterhin für eine Reise; die Karte schafft keine zweite und nennt kein Reiseziel.

Die sechs Karten erklären, warum die Entscheidung schwierig bleibt: Eine außergewöhnliche Gelegenheit und der Wunsch nach Zeit mit beiden Familien treffen auf dieselben begrenzten freien Tage. Jeder Besuch würde etwas Gewünschtes ermöglichen und etwas anderes offenlassen.

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