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Ausführliche Neunzehn-Karten-Legung nach Papus: Wie wird sie gedeutet?

Ein Beispiel mit Papus’ neunzehn Karten zeigt, wie eine neue Stelle müder machen kann: anfängliche Lernfreude, wachsende Verantwortung und nachlassende Begeisterung.

Veroeffentlicht 16. Sept. 20269 Min. Lesezeit

Die Ausführliche Neunzehn-Karten-Legung nach Papus eignet sich für Situationen, die schon länger andauern und sich mehrfach verändert haben. Eine neue Arbeit kann anfangs begeistern und mit der Zeit immer anstrengender werden. Nur an den vollsten Arbeitstag der letzten Wochen zu denken, erklärt selten die ganze Entwicklung.

Vier Gruppen mit je drei Karten beschreiben Anfang, Höhepunkt, Hindernisse und Rückgang. Zu jeder Gruppe gehört eine Karte, die ihr Thema auf der Position „Urteil“ zusammenfasst. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im inneren Kreis verbinden die Phasen mit der gesamten Erfahrung. „Höhepunkt“ meint die stärkste Entfaltung, nicht unbedingt die glücklichste Zeit. „Rückgang“ beschreibt, wie der Einsatz nachlässt oder sich verändert; die Situation muss deshalb noch nicht beendet sein.

Wofür die neunzehn Positionen stehen

Die drei Karten einer Phase werden gemeinsam gelesen. Sie teilen sich das Thema dieser Phase. Keine erhält eine zusätzliche Einzelaufgabe als Ursache, Person oder Antwort.

Feste PositionAllgemeine Bedeutung
Kleine Arkana · Anfang 1–3Wie die Situation beginnt und ihren ersten Anstoß erhält
Kleine Arkana · Höhepunkt 1–3Wie der Einsatz wächst und die Entwicklung ihren stärksten Ausdruck findet
Kleine Arkana · Hindernisse 1–3Widersprüche, Widerstände und Schwierigkeiten im Verlauf
Kleine Arkana · Rückgang 1–3Wie der ursprüngliche Einsatz nachlässt, sich verändert oder endet
Große Arkana · Urteil zum AnfangDas wichtigste Thema des Anfangs
Große Arkana · Urteil zum HöhepunktDas wichtigste Thema der stärksten Entfaltung
Große Arkana · Urteil zu den HindernissenDas wichtigste Thema der Schwierigkeiten
Große Arkana · Urteil zum RückgangDas wichtigste Thema des Rückgangs
Innerer Kreis · VergangenheitFrühere Ursachen, die das Ganze weiterhin beeinflussen
Innerer Kreis · GegenwartDie Lage, in der die verschiedenen Phasen heute zusammentreffen
Innerer Kreis · ZukunftEine mögliche Tendenz, wenn die jetzigen Bedingungen weiterbestehen

Papus’ ursprüngliche Methode verwendet Kleine und Große Arkana getrennt und zusätzlich einen Signifikator, eine Karte für die fragende Person. Startarot behält die neunzehn Positionen bei und zieht aus dem vollständigen Deck, ohne zusätzlichen Signifikator. „Große“ und „Kleine Arkana“ in den Positionsnamen schränken die tatsächlich gezogenen Karten nicht ein. Das Beispiel zeigt diese heutige Version mit geläufigen Rider–Waite–Smith-Bedeutungen.

Von der Freude am Helfen zur Sorge vor der nächsten Aufgabe

Stellen wir uns eine Person vor, die seit einigen Monaten eine neue Stelle hat. Anfangs wollte sie die Arbeit schnell kennenlernen, jede Gelegenheit zum Lernen nutzen und Kolleginnen und Kollegen bei kleinen Aufgaben helfen. Schon in früheren Stellen gab ihr das Gefühl, nützlich zu sein, Sicherheit. Eine noch ungewohnte Aufgabe abzuschließen vermittelte ihr außerdem, wieder ein Stück weitergekommen zu sein.

Später übernahm sie mehr Arbeit in eigener Verantwortung. Die kleinen Hilfsaufgaben wurden dadurch nicht weniger; sie kamen weiter hinzu. Manchmal muss sie ihre eigene Aufgabe unterbrechen, um eine andere Bitte zu erledigen. Am Abend hat sie viel geschafft, doch vieles wartet noch. Wenn sich inzwischen eine neue Lernmöglichkeit ergibt, denkt sie zuerst daran, wie viel zusätzliche Kraft sie kosten wird.

Ihre Frage lautet:

Warum macht mich diese Arbeit immer müder?

Der Anfang beschreibt den Einstieg in die neue Stelle. Der Höhepunkt verbindet wachsende eigene Verantwortung mit fortgesetzter Hilfe. Die Hindernisse betreffen die Schwierigkeiten, wenn diese Aufgaben zusammenkommen. Der Rückgang zeigt, wie Müdigkeit die Reaktion auf die Arbeit verändert. Die Urteile fassen die jeweilige Phase zusammen. Die innere Vergangenheit greift das frühere Gefühl beim Helfen auf; die Gegenwart verbindet das Angesammelte; die Zukunft betrachtet mögliche Veränderungen, wenn diese Arbeitsweise fortbesteht.

Hier ist die vollständige Beispielziehung. „Aufrecht“ bezeichnet die übliche Ausrichtung des Bildes, „umgekehrt“ ein auf dem Kopf liegendes Bild. Die Position in der Legung gibt der Bedeutung weiterhin ihren Zusammenhang.

Feste PositionGezogene Karte
Kleine Arkana · Anfang 1Bube der Münzen aufrecht
Kleine Arkana · Anfang 2Drei der Münzen aufrecht
Kleine Arkana · Anfang 3Ass der Stäbe aufrecht
Große Arkana · Urteil zum AnfangDer Narr aufrecht
Kleine Arkana · Höhepunkt 1Acht der Münzen aufrecht
Kleine Arkana · Höhepunkt 2Sechs der Stäbe aufrecht
Kleine Arkana · Höhepunkt 3Der Magier aufrecht
Große Arkana · Urteil zum HöhepunktDer Wagen aufrecht
Kleine Arkana · Hindernisse 1Zehn der Stäbe aufrecht
Kleine Arkana · Hindernisse 2Zwei der Münzen umgekehrt
Kleine Arkana · Hindernisse 3Acht der Stäbe aufrecht
Große Arkana · Urteil zu den HindernissenDie Gerechtigkeit umgekehrt
Kleine Arkana · Rückgang 1Neun der Stäbe aufrecht
Kleine Arkana · Rückgang 2Vier der Kelche aufrecht
Kleine Arkana · Rückgang 3Vier der Schwerter aufrecht
Große Arkana · Urteil zum RückgangDer Eremit aufrecht
Innerer Kreis · VergangenheitSechs der Münzen aufrecht
Innerer Kreis · GegenwartDer Gehängte aufrecht
Innerer Kreis · ZukunftSieben der Münzen aufrecht

Anfangs brachte jede weitere Aufgabe neues Lernen

Der Bube der Münzen zeigt eine junge Gestalt, die eine Münze aufmerksam betrachtet. Auf einer Position der Anfangsphase passt diese Aufmerksamkeit zur Bereitschaft, neue Aufgaben kennenzulernen und auszuprobieren. Die Drei der Münzen stellt das Lernen in einen gemeinsamen Arbeitszusammenhang: Wer hilft, begegnet auch bisher ungewohnten Aufgaben. Die frischen Blätter am Ass der Stäbe können die Begeisterung für etwas Neues ausdrücken.

Zusammen zeigen die Karten, warum zusätzliche Aufgaben zunächst etwas brachten. Sie ermöglichten Lernen und einen schnelleren Einstieg in die neue Rolle. Der Narr als Urteil zum Anfang fasst die Offenheit für eine unbekannte Umgebung zusammen. Es gibt vieles auszuprobieren; die spätere Müdigkeit durch ständig neue Aufgaben gehört noch nicht zur Erfahrung.

Am Höhepunkt zeigt die Acht der Münzen wiederholte handwerkliche Arbeit. Das passt zu wachsender Übung und der Fähigkeit, Aufgaben selbstständig zu erledigen. Die Sechs der Stäbe bringt Zufriedenheit über Erreichtes hinzu: hier das Gefühl, nach einer erledigten Aufgabe wieder etwas weiter zu sein. Die Werkzeuge des Magiers können dafür stehen, die eigenen Fähigkeiten für unterschiedliche Arbeiten einzusetzen.

Der Wagen fasst eine Phase zusammen, in der sich die Person in der Lage sieht, Dinge voranzubringen. Die Aufgaben der Stelle nehmen zu, während die früheren Hilfsaufgaben bleiben. Fähigkeiten und Verantwortung wachsen gleichzeitig. Die Karten bewahren damit einen wichtigen Teil der Geschichte: Vor der Müdigkeit gab es Lernen und Zufriedenheit mit der Arbeit.

Mehr Übung hat die Last nicht kleiner gemacht

Bei den Hindernissen trägt die Gestalt der Zehn der Stäbe viele Stäbe zugleich. Das passt zu verschiedenen Aufgaben, die bei einer Person zusammenkommen. Die umgekehrte Zwei der Münzen ergänzt die Schwierigkeit, alles zu vereinbaren. Der Wechsel zwischen eigener Arbeit und ungeplanten Bitten lässt weniger Zeit für die einzelne Aufgabe. Die Acht der Stäbe steht häufig für schnelle Bewegung oder aufeinanderfolgende Nachrichten. Nach diesen Karten kann sie zeigen, wie die nächste Bitte eintrifft, bevor die vorige erledigt ist.

Die Acht der Stäbe ist nicht grundsätzlich negativ. Zu Beginn können schnell eintreffende Möglichkeiten anregen. In einer Hindernisphase mit vielen angesammelten Aufgaben kann dieselbe Geschwindigkeit die Anstrengung erhöhen. Position und Nachbarkarten verändern den Schwerpunkt der Deutung.

Die umgekehrte Gerechtigkeit fasst ein Missverhältnis zwischen dem Übernommenen und den Bedingungen dafür zusammen. Im Hintergrund wachsen die eigenen Verantwortlichkeiten, ohne dass die kleinen Aufgaben abnehmen. Mehr Können schafft nicht automatisch mehr Spielraum. Die Karten helfen, dieses Ungleichgewicht zu verstehen; sie beweisen nicht, dass jemand absichtlich Arbeit auf die Person abwälzt.

Selbst eine gute Gelegenheit wirkt wie weitere Arbeit

Die Neun der Stäbe zeigt eine wachsame Gestalt, die weiterhin vor einer Reihe von Stäben steht. Im Rückgang kann das bedeuten, bestehende Arbeit aufrechtzuerhalten und neuen Anforderungen vorsichtiger zu begegnen. Es passt zum Gedanken, wie viel zusätzliche Kraft eine Gelegenheit verlangen wird.

Die Gestalt der Vier der Kelche nimmt den angebotenen Kelch nicht an. Hier kann das mangelndes Interesse an einer neuen Möglichkeit ausdrücken, ohne deren Wert zu beurteilen. Die Vier der Schwerter führt die Gruppe zu Ruhe und Pause. Neben der Vier der Kelche kann sie den Wunsch zeigen, eine Weile keine weiteren Anforderungen beantworten zu müssen.

Der Eremit als Urteil zum Rückgang fasst eine Aufmerksamkeit zusammen, die sich nach innen richtet. Die Person erledigt weiterhin ihre Arbeit; neue Möglichkeiten ziehen sie weniger an als anfangs. Die Karte schreibt weder eine Kündigung noch das Arbeiten allein vor. Sie beschreibt die Veränderung vom ständigen Einsatz nach außen zu einem stärkeren Blick auf die verbleibende Kraft.

Der innere Kreis verbindet frühere Erfahrungen mit der heutigen Müdigkeit

Die Sechs der Münzen betrifft häufig Geben, Empfangen und gegenseitige Unterstützung. In der Vergangenheit passt sie zum früheren Gefühl von Sicherheit durch das Helfen. Das unterscheidet sie vom äußeren Anfang: Dieser beschreibt den Einstieg in die Stelle, die innere Vergangenheit eine bereits mitgebrachte Gewohnheit. Was früher Zusammenarbeit begünstigte, beeinflusst weiterhin, wie viel übernommen wird.

Der Gehängte in der Gegenwart zeigt eine schwebende, angehaltene Gestalt. Zusammen mit den bisherigen Karten kann er eine Lage beschreiben, in der Arbeit und Einsatz weitergehen, ohne dass Mehrarbeit das frühere Gefühl von Fortschritt zurückbringt. Die Übung der Acht der Münzen bleibt bestehen, ebenso die Last der Zehn der Stäbe. Der Rückzugswunsch aus der Rückgangsgruppe und die laufende Verantwortung gehören zum selben Jetzt.

In der Zukunft hält die Gestalt der Sieben der Münzen inne und betrachtet das Gewachsene. Unter den gegenwärtigen Bedingungen könnte die Person stärker darauf achten, was sie investiert hat und was sie dafür erhält. Ständiges Übernehmen könnte wiederholtem Abwägen weichen. Die Karte zeigt keine bereits verringerte Last und beantwortet nicht die Frage nach Bleiben oder Gehen.

In dieser Legung entsteht Müdigkeit mit den veränderten Verantwortlichkeiten. Anfangs bedeutet mehr Arbeit Lernen und Beteiligung. Mit zunehmender Übung kommen weitere Aufgaben der Stelle hinzu, während die anfänglichen Hilfen weiterlaufen. Dieselbe Bereitschaft zu reagieren verlangt immer mehr Kraft; Vorsicht, weniger Lust auf Neues und der Wunsch nach Pause werden verständlich. Die neunzehn Positionen verbinden den anfänglichen Gewinn mit der späteren Anstrengung. So lässt sich nachvollziehen, warum eine vertrauter werdende Arbeit zugleich immer müder machen kann.

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